Nachtangeln bezeichnet das Angeln in den Dunkelstunden – rechtlich definiert als der Zeitraum zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. In Deutschland gibt es dafür keine bundeseinheitliche Regelung. Stattdessen entscheidet jedes Bundesland eigenständig, ob, wann und unter welchen Bedingungen das Angeln in der Nacht erlaubt ist. Wer ohne genaue Kenntnis der landesspezifischen Fischereigesetze nachts ans Wasser geht, riskiert empfindliche Bußgelder – oder schlimmer: den Entzug des Fischereischeins.
Kurz zusammengefasst
Nachtangeln ist in Deutschland nicht pauschal erlaubt oder verboten. Die Regelungen variieren stark zwischen den Bundesländern und hängen zusätzlich von der Gewässerordnung, dem Fischereierlaubnisschein und der jeweiligen Fischart ab. Grundsätzlich gilt: immer zuerst die länderspezifischen Fischereigesetze und die Gewässerordnung des jeweiligen Gewässers prüfen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel gibt einen redaktionellen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Fischereigesetze ändern sich regelmäßig. Verbindliche Auskünfte erteilen die zuständigen Landesfischereiverbände, Fischereibehörden oder der jeweilige Gewässerbewirtschafter.
Das Wichtigste in Kürze
- Nachtangeln ist in Deutschland nicht bundesweit einheitlich geregelt.
- Einige Bundesländer erlauben es grundsätzlich, andere schränken es stark ein oder verbieten es.
- Für Salmoniden (z. B. Forellen) gilt in vielen Ländern ein generelles Nachtangelverbot.
- Friedfische wie Karpfen oder Aal dürfen in vielen Bundesländern nachts geangelt werden.
- Neben dem Fischereischein ist stets der Fischereierlaubnisschein des Gewässers erforderlich.
- Gewässerordnungen können das Nachtangeln zusätzlich einschränken – auch dort, wo es gesetzlich erlaubt wäre.
Was ist Nachtangeln – und warum ist die Rechtslage so unübersichtlich?
Jedes der 16 Bundesländer hat sein eigenes Fischereigesetz – und damit auch eigene Regelungen dazu, ob und wann nachts geangelt werden darf. Hinzu kommen Gewässerordnungen einzelner Vereine und Bewirtschafter, die noch strengere Regeln festlegen können. Das Ergebnis: Ein Angler, der in Bayern problemlos nachts auf Karpfen angelt, kann für dieselbe Praxis in einem anderen Bundesland eine Anzeige riskieren.
Erschwerend kommt hinzu, dass viele Regelungen nicht explizit das „Nachtangeln“ verbieten, sondern über Schonzeiten, Angelzeiten oder artspezifische Verbote wirken. Wer die Gesetzestexte nicht kennt, tappt schnell in eine Grauzone.
Ist Nachtangeln in Deutschland grundsätzlich erlaubt?
In den meisten Bundesländern ist Nachtangeln auf Friedfische wie Karpfen, Aal oder Schleie grundsätzlich möglich – sofern der Fischereierlaubnisschein des Gewässers es nicht ausdrücklich untersagt. Bei Raubfischen und insbesondere bei Salmoniden sieht die Lage anders aus. Hier greifen häufig artspezifische Verbote oder Schonzeiten, die das nächtliche Angeln faktisch unmöglich machen.
Welche gesetzlichen Grundlagen regeln das Nachtangeln?
Das Fischereirecht ist in Deutschland nicht im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt, sondern liegt in der Gesetzgebungskompetenz der Länder. Jedes Bundesland hat ein eigenes Landesfischereigesetz sowie dazugehörige Durchführungsverordnungen. Diese legen Angelzeiten, Schonzeiten und artspezifische Verbote fest. Ergänzend dazu kann der Gewässerinhaber – ob Verein, Privatperson oder Kommune – über die Gewässerordnung weitere Einschränkungen erlassen.
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Ein häufiges Missverständnis: Der staatliche Fischereischein (Angelschein) berechtigt nicht automatisch zum Nachtangeln. Er ist lediglich die Grundvoraussetzung. Entscheidend ist der Fischereierlaubnisschein des jeweiligen Gewässers – und was dort zu den Angelzeiten steht.
Nachtangel-Regelungen nach Bundesland – eine Übersicht
| Bundesland | Nachtangeln grundsätzlich erlaubt? | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Bayern | Ja (mit Einschränkungen) | Salmoniden nachts verboten; Gewässerordnung beachten |
| Baden-Württemberg | Eingeschränkt | Nachtangelverbot für Salmoniden; Vereinsgewässer oft restriktiver |
| Brandenburg | Weitgehend ja | Kaum gesetzliche Einschränkungen; Gewässerordnung maßgeblich |
| Hessen | Ja (mit Einschränkungen) | Nachtangeln auf Salmoniden verboten; Gewässerordnung entscheidend |
| Niedersachsen | Eingeschränkt | Nachtangelverbot für Salmoniden; saisonale Regelungen möglich |
| Nordrhein-Westfalen | Ja (mit Einschränkungen) | Friedfische meist erlaubt; Schonzeiten und Gewässerordnung beachten |
| Rheinland-Pfalz | Eingeschränkt | Salmoniden-Nachtangelverbot; Gewässerordnung prüfen |
| Sachsen | Ja (mit Einschränkungen) | Artspezifische Verbote; Gewässerordnung beachten |
| Schleswig-Holstein | Eingeschränkt | Nachtangeln an Küstengewässern teils gesondert geregelt |
| Mecklenburg-Vorpommern | Weitgehend ja | Gewässerordnung und Schonzeiten maßgeblich |
| Thüringen | Eingeschränkt | Salmoniden-Verbot; Gewässerordnung entscheidend |
| Sachsen-Anhalt | Ja (mit Einschränkungen) | Artspezifische Regelungen; Gewässerordnung prüfen |
| Saarland | Eingeschränkt | Nachtangelverbot für Salmoniden; Vereinsregelungen oft strenger |
| Berlin | Eingeschränkt | Stadtgewässer mit eigenen Regelungen; Gewässerordnung prüfen |
| Hamburg | Eingeschränkt | Hafengewässer und Alster gesondert geregelt |
| Bremen | Eingeschränkt | Gewässerordnung und Tidegewässer-Regelungen beachten |
Ein Blick in die Tabelle zeigt: Es gibt kein Bundesland, in dem Nachtangeln vollständig und ohne jede Einschränkung erlaubt wäre. Selbst in den liberalsten Ländern wie Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern greift spätestens die Gewässerordnung des jeweiligen Angelreviers.
Zu welchen Uhrzeiten ist Nachtangeln erlaubt?
Eine feste Uhrzeit wie „ab 22 Uhr verboten“ gibt es in den deutschen Fischereigesetzen kaum. Stattdessen wird auf astronomische Größen verwiesen: Sonnenuntergang markiert den Beginn der Nacht, Sonnenaufgang das Ende. Das bedeutet: Im Sommer, wenn es bis 21:30 Uhr hell bleibt, beginnt die Nacht deutlich später als im Dezember, wo es schon um 16 Uhr dunkel wird. Wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt eine aktuelle Sonnenuntergangs-App oder informiert sich beim zuständigen Fischereiverband.
Welche Fischarten dürfen nachts geangelt werden – und welche nicht?
Das Nachtangelverbot für Salmoniden ist der häufigste artspezifische Einschnitt im deutschen Fischereirecht. Forellen, Äschen und Saiblinge sind nachtaktiv und damit besonders leicht zu fangen – was den Schutzgedanken erklärt. In Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und den meisten anderen Bundesländern ist das Angeln auf diese Arten zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ausdrücklich untersagt.
Raubfische wie Zander, Hecht oder Wels bewegen sich in einer Grauzone: Gesetzlich oft nicht explizit verboten, aber durch Schonzeiten oder Gewässerordnungen häufig eingeschränkt. Wer nachts auf Wels angelt, sollte die aktuelle Schonzeit und die Gewässerordnung kennen.
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Besonders tückisch: Wer nachts auf Karpfen angelt und dabei versehentlich eine Forelle fängt, befindet sich rechtlich in einer heiklen Situation – selbst wenn er den Fisch sofort zurücksetzt. Im Zweifelsfall empfiehlt sich ein Gewässer, das nachweislich keine Salmoniden führt.
Welche Dokumente brauche ich für legales Nachtangeln?
Der staatliche Fischereischein – umgangssprachlich Angelschein – ist die Grundvoraussetzung. Er berechtigt aber nicht zum Angeln an einem konkreten Gewässer. Dafür braucht man den Fischereierlaubnisschein, den der Gewässerinhaber oder -bewirtschafter ausstellt. Genau dort steht häufig, ob und in welchem Zeitraum nachts geangelt werden darf. Wer dieses Dokument nicht dabei hat oder die darin genannten Zeiten überschreitet, angelt illegal – unabhängig davon, was das Landesfischereigesetz grundsätzlich erlaubt.
Gelten an Vereinsgewässern andere Regelungen?
Ja, oft strengere. Angelvereine können in ihrer Gewässerordnung das Nachtangeln vollständig untersagen oder auf bestimmte Nächte beschränken – auch wenn das Landesgesetz es erlauben würde. Das ist rechtlich zulässig. Wer Mitglied in einem Verein ist oder eine Tageskarte kauft, akzeptiert diese Bedingungen. Ein kurzer Blick in die Gewässerordnung vor dem ersten Nachtausflug spart viel Ärger.
Saisonale Unterschiede: Gelten im Sommer andere Zeiten als im Winter?
Im Hochsommer kann die erlaubte Nachtangelzeit auf wenige Stunden schrumpfen, im Winter dehnt sie sich auf viele Stunden aus. Hinzu kommen saisonale Schonzeiten für bestimmte Fischarten, die das Nachtangeln zusätzlich einschränken. Wer im Frühjahr nachts auf Hecht angelt, muss wissen, dass in vielen Bundesländern die Hechtschonzeit bis in den April reicht.
Was droht bei Verstößen gegen Nachtangel-Verbote?
Fischereiaufseher haben das Recht, Angeln zu kontrollieren und Verstöße zu dokumentieren. Wer ohne gültige Erlaubnis oder außerhalb der erlaubten Zeiten angelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit – in schweren Fällen sogar eine Straftat nach dem jeweiligen Landesfischereigesetz. Bußgelder von 200 bis über 1.000 Euro sind keine Seltenheit. Bei wiederholten Verstößen kann die Fischereibehörde den Fischereischein entziehen.
Welche Ausrüstung und Sicherheitsvorschriften gelten beim Nachtangeln?
Eine Stirnlampe gehört zur absoluten Grundausstattung – nicht nur für die eigene Sicherheit, sondern auch um Haken, Fang und Dokumente vorzeigen zu können, wenn ein Fischereiaufseher erscheint. An Gewässern mit Bootsverkehr kann eine Markierungsleuchte vorgeschrieben sein. Wer allein nachts am Wasser sitzt, sollte zudem jemanden über seinen Aufenthaltsort informieren. Das klingt selbstverständlich, wird aber erschreckend oft ignoriert.
Wo finde ich verlässliche Informationen zu aktuellen Nachtangel-Regelungen?
Internetforen und Social-Media-Gruppen sind keine verlässlichen Rechtsquellen. Fischereigesetze werden regelmäßig angepasst, und was vor drei Jahren noch galt, kann heute überholt sein. Der direkte Anruf beim Landesfischereiverband oder beim Gewässerbewirtschafter dauert fünf Minuten – und gibt Rechtssicherheit.
Häufige Fragen zum Nachtangeln
Darf ich in Deutschland überall nachts angeln?
Nein. Nachtangeln ist nicht bundesweit einheitlich erlaubt. Die Regelungen hängen vom Bundesland, der Fischart und der Gewässerordnung ab. Immer zuerst den Fischereierlaubnisschein und das Landesfischereigesetz prüfen.
Ist Nachtangeln auf Forellen in Deutschland verboten?
In nahezu allen Bundesländern gilt ein Nachtangelverbot für Salmoniden wie Forellen und Äschen. Das Angeln auf diese Arten zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ist fast überall untersagt.
Reicht der Angelschein für das Nachtangeln aus?
Nein. Der staatliche Fischereischein ist nur die Grundvoraussetzung. Für das Angeln an einem konkreten Gewässer – auch nachts – braucht man zusätzlich den Fischereierlaubnisschein des Gewässerbewirtschafters.
Ab wann gilt rechtlich die Nacht beim Angeln?
Die meisten Fischereigesetze orientieren sich an Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Eine feste Uhrzeit gibt es selten. Der genaue Zeitpunkt variiert je nach Jahreszeit und Standort.
Kann ein Verein das Nachtangeln verbieten, obwohl es gesetzlich erlaubt ist?
Ja. Gewässerinhaber und Angelvereine können in ihrer Gewässerordnung strengere Regelungen als das Landesgesetz festlegen – einschließlich eines vollständigen Nachtangelverbots. Diese Regelungen sind rechtlich bindend.
Nachtangeln in Deutschland ist kein rechtliches Minenfeld – aber es erfordert Vorbereitung. Wer weiß, welches Bundesland welche Regeln hat, die Gewässerordnung kennt und seinen Fischereierlaubnisschein dabei hat, kann die Nacht am Wasser legal und ungestört genießen. Die wichtigste Regel lautet: Im Zweifel nachfragen, nicht raten. Ein Anruf beim Landesfischereiverband kostet nichts – eine Anzeige schon.
